Kapitel 1
„Wartet doch!“, wehrte die Freundin ab. „Spult die Zeit in Gedanken zweihunderttausend Jahre zurück und stellt euch vor, vor uns wäre eine Lichtung voller Orang-Utans. Wir säßen da, würden den Tänzen der Primaten ohne Shorts zuschauen und auswählen, mit welchem von ihnen wir in die Nacht verschwinden, um Nachwuchs zu zeugen. Wenn man es so betrachtet, würde ich Demonets auf keinen Fall auswählen!“
„Warum?“, hob Dashka nicht ohne Neugier eine Augenbraue, und ich tat es ihr gleich.
„Ja, warum?“
„Weil er zuerst tanzen, dann ein Selfie machen und anschließend ein Interview geben würde … und danach in den Sonnenuntergang abhauen, mich mit einer Kokosnuss und einem ungeklärten Beziehungsstatus zurücklassen würde. Jede Äffin wünscht sich Stabilität und morgens eine frische Banane.“
Für eine Sekunde herrschte Stille, dann lagen wir einfach vor Lachen flach. Oh, ich glaube, jemand bekommt vom Trainer eine Sechs!
„Na toll“, keuchte ich und lachte weiter, „jetzt werde ich Demonets nicht mehr ansehen können, ohne an Tropen und Drama zu denken!“
„Haltet mich fest! Ein Instagram-Orang-Utan“, schluchzte Dashka vor Lachen.
„M … mit dem Filter ‚Strandbrise‘ und der Bildunterschrift: ‚Wo du bist, bin auch ich. Auch wenn ich eine Banane bin!‘“, lachte Vika. „Di, stell sofort eine Diagnose! Ich glaube, das ist unheilbar!“
Das Lachen überspülte uns erneut wie eine Welle, und in diesem Moment bemerkte ich aus dem Augenwinkel, dass die Jungs auf dem Feld langsamer wurden und einige sich umdrehten. Aber wir konnten einfach nicht aufhören.
„Das sind die Tränen der Evolution, Mädels! Mit so einem IQ zeugt man keinen Nachwuchs!“, sagte ich und zeigte mit den Fingern einen winzigen Abstand. „Er findet ja nicht mal einen Stock, um eine Kokosnuss zu holen. Verfehlt wieder den Korb und rennt in den Sonnenuntergang!“
Ich weiß nicht, was Demonets in diesem Moment dachte, als er uns beobachtete, aber plötzlich krachte der Ball in den Korb. Er prallte vom Boden zurück in die Hände des Jungen und flog sofort mit einem Pfeifen in unsere Richtung.
„Oh!“
Wir stoben kreischend in alle Richtungen auseinander.
Ich hatte Pech. Der Ball traf mich direkt am Hintern, und ich rutschte mit der Nase über die Matte.
„Getroffen?“
„Ein doppelter Dreier! Volltreffer!“, erklang hinter mir eine vertraute Stimme, und jetzt lachten auch die Jungs.
Idioten. Halbgare Primaten! Ich werde bis heute Abend nicht vernünftig sitzen können!
Die Haarspange sprang auf, und wieder löste sich mein Haar. Verdammt, irgendwann schneide ich es wirklich ab!
„Soll ich dir aufhelfen, Koshkina? Sind alle Pfoten heil, oder hat nur der Schwanz etwas abbekommen?“
„Hau ab!“
„Was machst du da? Feilst du deine Krallen?“
Ich ging auf alle Viere und betastete meinen Hintern.
„Ich überlege mir gerade, wie ich dich umbringe, Idiot!“
„Schade. Ich war’s nicht, das war die Schwerkraft. Der Ball hat die Anziehungskraft zwischen uns gespürt und beschlossen zu handeln. Ich konnte ihn nicht zurückhalten.“
„Sehr witzig, Demonets! Spar dir das, ich bin allergisch gegen primitive Witze. Und gegen Dämonenpack!“
Ich stand auf, zog mein T-Shirt an der Taille zurecht und drehte mich finster zu dem Jungen um, der keinerlei Anstalten machte zu verschwinden. Stattdessen stand Denis Demonets vor mir, glänzend und schweißnass wie der Held aus einem Teenie-Western, und grinste unverschämt.
Meine Augenbrauen zogen sich zusammen, mein Kinn hob sich, und meine Lippen pressten sich kampflustig aufeinander – genau wie immer, wenn wir nebeneinanderstanden.
„Hallo, Prinzessin des Spülkastens“, begrüßte er mich unhöflich. „Also, was hat dir an den Maßen nicht gepasst?“ Seine blauen Augen verengten sich boshaft. „Meine … Kokosnuss? Hast du die in der Stellung des herabschauenden Hundes vermessen, als Sexpertin? Wobei – du warst dem Boden ja ziemlich nah.“
„Dein Gehirn, du Idiot!“
Denis nickte. Er genoss die Situation offensichtlich.
„Das dachte ich mir schon, Koshkina. Schließlich gibt es an mir nichts anderes, das du bewerten könntest. Aber reg dich nicht auf, probier andere Positionen aus, vielleicht hilft das.“
Ich musterte ihn wütend.
„Wenn dein Gehirn nur so groß wie eine Tablette ist, hilft nur eine Taschenlampe, um die einzige Windung darin zu finden! Und eine Anleitung, wie man Batterien einlegt, samt dem Rat, sich von intelligenten Mädchen fernzuhalten! Ich bezweifle, dass in diesem Körper“, ich schnaubte verächtlich, „irgendetwas steckt, das die Aufmerksamkeit wert wäre!“
Ich beugte mich vor, hob den Ball auf und stieß ihn dem Jungen mit voller Kraft in die Hände.
„Verschwinde, Ausgeburt der Hölle! Oder lösch dich gleich selbst aus, bevor ich dir statt eines Pentagramms ein Kreuz auf die Stirn ritze!“
Er fing den Ball auf und schnaubte seinerseits, während er ihn leicht auf der Handfläche wippen ließ.
„Ganz meinerseits, Katze! Aus dem Weg! Und wisch dir beim nächsten Mal den Sabber ab, wenn du mich weiter beobachtest. Sonst denke ich noch, dass die Tablette in meinem Kopf Baldrian ist!“
„Waaas?! Du … Ich kann dich nicht ausstehen!“
„Geht mir genauso! Wenn du in der Nähe bist, juckt mich alles, als wäre ich gegen Fell allergisch! Hast du nie darüber nachgedacht, dir die Haare zu schneiden? Ich wollte schon immer Friseur werden …“
Ich wurde blass.
„Du Mistkerl … Ich werde dir das nie verzeihen!“
„Das weiß ich, deshalb sage ich es ja. Es bringt dich tierisch auf die Palme!“
Mir riss der Geduldsfaden. Ich hob die Hand und zeigte dem Jungen den Mittelfinger. Zum Teufel damit! Sollen sie mich eben aus dem Training werfen!
Ich wollte gerade stolz davonmarschieren, als die Pfeife des Trainers schrill ertönte und seine laute Stimme befahl:
„Achtung, alle! Die nächsten zwanzig Minuten arbeiten wir zu zweit! Wir trainieren Bauch, Brust und Beine. Passt auf euren Partner auf und helft ihm, ich sehe alles! … Demonets! Koshkina! Ihr seid zusammen! Los, die Zeit läuft!“
Was? Ich drehte mich zum Trainer um. Auf keinen Fall!
„Karen Aronowitsch, aber ich will nicht mit ihm …“
„Koshkina!“, brüllte der Mann drohend. „Du musst Demonets ja nicht heiraten. Du wirst es überleben!“
Ich ließ gehorsam die Schultern hängen, suchte die Haarspange und band meinen Pferdeschwanz zusammen. Dann ging ich wieder zu Demonets, der finster die Zähne fletschte und dabei seinen Fangzahn und seine kosmische Gleichgültigkeit zur Schau stellte.
„Wenn du meine Oberschenkel berührst, bist du tot!“, warnte ich ihn offen.
„Träum weiter! Wenn du noch einmal den Stinkefinger zeigst, kannst du deine Krallen vergessen!“
Wir setzten uns auf die Matten und begannen mit den Übungen. Denis schloss seine kräftigen Finger um meine Knöchel und kam wieder näher. Ich verschränkte die Hände hinter dem Kopf und schloss die Augen, um nicht sehen zu müssen, wie sehr ich ihm auf die Nerven ging. Ich begann, Sit-ups zu machen.
Doch nicht einmal zwei Minuten später hörte ich erwartungsgemäß direkt über meinem Gesicht:
„Du atmest so laut, Koshkina. Denkst du beim Einatmen an mich oder beim Ausatmen?“
Was?! Und ich hatte gehofft, die nächsten zwanzig Minuten würden in Ruhe vergehen?
Wie gut, dass wir nicht sechzehn sind und ich wegen seiner dämlichen Sprüche nicht mehr rot werden muss.