Kapitel 1
„Doch, das stimmt, Alisa!“ Er rückt wieder näher und sieht mich stur an. Seine dunklen Augen glänzen, entweder vom Alkoholrausch oder von unserer Nähe. „Und das weißt du!“
Ruslans Handfläche legt sich auf meine Wange, und seine Lippen kommen näher. Mit Mühe streife ich seine Hand ab und rutsche an der Tür zur Seite.
„Du Irrer, hör auf“, bitte ich. „Du bist jünger als ich!“
„Na und?“ (Natürlich! Wie könnte seine Lieblingsfrage als Ausrede auch fehlen?) „Nur ein Jahr. Sogar weniger, wenn man die Tage zählt.“
„Du bist praktisch noch Schüler!“
„Seit einer Woche nicht mehr.“
„Du …“
Doch Ruslan reißt mich in seine Arme, und ich kann mich nicht mehr losmachen.
„Schnee, sei mit mir zusammen. Ich habe lange gewartet, bis die verdammte Schule vorbei ist und du mich ernst nehmen kannst. Dein Freund ist so vorhersehbar wie ein dummes schwarzes Brett! Er ist ein Idiot, der davon träumt, nebenbei jemand anderen zu ficken, weil er Angst hat, dich anzufassen.“
„Das stimmt nicht!“
„Doch! Sonst wäre er jetzt hier!“
„Und du hast also keine Angst?“
„Ich nicht. Ich träume davon, dich nicht nur anzufassen, sondern dich auch zu lieben.“
„Bitte, hör auf.“
„Küsst du mich dann?“
„Natürlich nicht!“
Ruslan verzieht das Gesicht. Mit seinen noch nicht ganz achtzehn Jahren ist er bereits ein hübscher, unverschämter Kerl.
Und er ist viel erfahrener als ich, auch wenn ich das um nichts in der Welt zugebe.
Er umfasst meine Wangen mit beiden Händen, presst seine Lippen auf meine und versucht, mich zu küssen, aber er ist es überhaupt nicht gewohnt, abgewiesen zu werden, und der Kuss gerät unbeholfen und schmerzhaft.
„Verdammt, ich kann das besser, wirklich.“
„Verschwinde.“
„Alisa …“
„Fahr zur Hölle, Marjanow! Du hättest mir fast einen Zahn ausgeschlagen. Geh zurück und übe an deinen Freundinnen!“
„Du wirst trotzdem mit mir zusammen sein!“
Ich muss vor Wut beinahe lachen, während ich mir mit der Hand über die von ihm aufgebissene Lippe wische.
„Mit dir? Wie lange? Eine Woche? Einen Monat? Wie lange bist du normalerweise mit einem Mädchen zusammen? Bis du deine Neugier befriedigt hast? Oder bis du deinen Freunden beweist, wie cool du bist?“
„Gar nicht.“
„Du lügst! Für solche Märchen bin ich längst zu alt.“
„Na gut. Bis ich bekomme, was ich brauche. Zufrieden?“
Ich komme wieder zur Ruhe. Seine tintenschwarzen Augen funkeln, doch dieser Kampf wird zu nichts führen, und diesmal gelingt es mir, den Jungen wegzustoßen und von der Tür wegzugehen.
„Na, wenigstens ehrlich. Und jetzt geh, Ruslan, und krieg mich aus dem Kopf. Oder ich fahre von hier weg und komme erst zurück, wenn du erwachsen bist. Wirklich erwachsen, sodass du aufhörst, mit mir zu spielen.“
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